Sind Sie sicher, dass die Hüfte schmerzt?

Die Hüfte schmerzt. Immer und immer wieder sitzen Patienten vor mir und klagen über Hüftschmerzen. Grundsätzlich ist das nicht unnatürlich, denn alle meine Patienten habe irgendwo Schmerzen im Bewegungsapparat.

Bei der Hüfte ist das dennoch etwas anderes, denn die wenigsten haben wirklich Schmerzen an der Hüfte. Selbst vorhandene Diagnosen vom Arzt oder geplante Hüftoperationen ändern nichts an der Tatsache.

Schmerzt wirklich die Hüfte

Dramatisches Beispiel einer Fehldiagnose

An dem Beispiel einer Patientin aus Süddeutschland möchte ich Ihnen die Bedeutung einer richtigen Diagnose darstellen.

Die Patientin hatte zwei Hüftoperationen vor sich, um zwei neue Hüftgelenke zu bekommen. Die Fahrt zu mir nach Frankfurt war eine einzige Quälerei, genauso wie die Bewältigung des Alltags.

Als sie mir von Ihren Schmerzen in den Hüften berichtet, bat ich sie mir zu zeigen, wo es genau weh tut.

Sie griff sich an die Außenseiten der Oberschenkel in Höhe der Hüften.

Es war mir in diesem Moment klar, dass ich Ihr sehr gut und schnell helfen konnte. Sie zeigte auf alles, nur nicht auf die Hüften und somit war die Ursache an anderer Stelle zu finden und zu therapieren.

Die nächsten 1,5 Stunden behandelte ich Ihre Beine sowie die Becken- und Gesäßmuskulatur.

Als die Patientin von der Liege aufstand, wirkte es für sie wie ein Wunder. Sie konnte schmerzfrei stehen und gehen.

Wie sehr ich mich auch für sie freute, so ärgerlich war ich auf sämtliche Ärzte und Therapeuten, die sich an ihr schon versuchten.

Ich erzähle Ihnen dieses Beispiel deshalb, weil es kein Einzelfall ist. Viele Patienten kamen zu mir und hatten bereits ein künstliches Hüftgelenk aber immer noch Schmerzen "in der Hüfte".

Woher diese Häufigkeit an Fehldiagnosen kommt, das schauen wir uns jetzt an.

Wo ist die Hüfte und wo tut sie weh?

Wie war das genau?

Die meisten Patienten greifen sich an die Außenseite des Oberschenkels, um den Ort des Schmerzes zu beschreiben.


Wenn man dort hingreift, dann spürt man dort auch den Oberschelknochen (Femur), genauer gesagt das verdickte "Ende" des Knochens (großer Rollhügel oder Trochanter Major).

Wenn Sie sich seitlich auf den Boden legen, dann ist das oftmals unbequem. Man liegt dann genau auf diesem Teil des Oberschenkelknochens (Trochanter).

Der Oberschenkelknochen geht aber von da noch weiter, diagonal nach oben in Richtung Körpermitte.
Diesen Teil nennt man den Oberschenkelhals.

Sie haben vielleicht schon gehört, dass viele ältere Menschen sich diesen Oberschenkelhals brechen bei einem Sturz. Oft haben diese Menschen Osteoporose und dann bricht meist zuerst der Oberschenkelhals und dadurch kommt es zum Sturz.

Hüfte oder Oberschenkel

Die Hüfte befindet deutlich tiefer im Körper als vom Patient angenommen.


Betrachten Sie sich das obige Bild. Sie können deutlich die Lage des Hüftgelenkes erkennen. Hüftschmerzen sind also nicht an der Außenseite des Oberschenkels.

Wo spürt man Hüftschmerzen

Die Hüfte schmerzt etwa in der Mitte des Oberschenkels. Es fühlt sich an, als wenn der Schmerz ganz tief sitzt. Manche Menschen beschreiben es, als wenn er "hinter" der Leiste wäre.

Stellen Sie sich vor Sie tragen eine Hose. Greifen Sie sich in einen Hosensäckel. Dort etwa ist tief im Körperinneren ein Schmerz spürbar.

Was tut dann an der Außenseite des Oberschenkels weh?

In den allermeisten Fällen ist es die Gesäß- und Beckenmuskulatur. Einge Muskeln setzen zum Beispiel direkt am Oberschenkelknochen (Trochanter Major) an, um mit dem Bein Außen- und Innenrotationen zu machen.

Selbst Probleme in den Füßen oder Sprunggelenken können zu einer veränderten Haltung des Beines und dadurch zu unnatürlichen Beanspruchungen der Muskulatur führen.

Was tun bei Diagnosen wie Arthrose in der Hüfte?

Egal ob der Schmerz im "Hosensäckel" also an der Hüfte ist oder an der Außenseite des Oberschenkels, es gilt immer das gleiche zu tun.

Muskuläre Probleme beheben

Auch wenn die Diagnose Arthrose besagt, so bedeutet das nicht automatisch, dass die Schmerzursache von der Arthrose kommt. Ärzte suchen nach Schädigungen und oftmals ist eine Arthrose das einzige, was zu sehen ist.

Die Stellung des Beines, der Hüfte, der Gang sowie jede Art der Bewegung wird durch die Muskulatur beeinflusst. Ist die Muskulatur nicht in Ordnung, dann wird die Bewegung unnatürlich und das Gelenk unnatürlich belastet.

In diesem Zusammenhang spricht man gerne von dem Anlaufphänomen, d.h. man läuft sich ein. Benutzt man die Muskulatur, dann nimmt der Schmerz ab. Das bedeutet doch logisch gesehen, dass mehr Bewegung den Schmerz lindert....die Muskulatur wird beweglicher und der Druck auf das Gelenk nimmt ab.

In der Praxis behandle ich täglich Patienten mit Arthrose und in den allerwenigsten Fällen ist bei Arthrose an der Schmerzsituation nur wenig zu ändern. Vielmehr kommt es häufig zu ähnlichen Schmerzreduzierungen im oben genannten Beispiel.

Selbst bei notwendigem Gelenkersatz ist es unbedingt notwendig, die Muskulatur in Ordnung zu bringen. Muskeln machen Bewegung. Gelenke und Knochen werden von Muskeln bewegt.

Fazit Hüfte

  1. Viele Diagnosen beziehen sich auf die Hüfte, obwohl der Schmerz gar nicht an der Hüfte spürbar ist.
  2. Sie können eine Hüftarthrose haben, ohne das ein Hüftschmerz besteht. Schmerzursache ist eine andere.
  3. Therapie der Wahl sollte immer eine Behebung der muskulären Ursachen sein.

 

Tipp: Hüfte Selbsttherapie Videokurs

Lernen Sie sich selbst zu helfen. Ohne Vorkenntnisse, jederzeit und überall können Sie sich selbst helfen. Hier geht es nicht einfach nur um Dehnungsübungen, die zwar wichtig sind aber die Schmerzursache im Bereich Becken und Hüfte nicht lösen können.

Selbsttherapie Becken und Hüfte
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