Kann eine Selbsttherapie mehr als ein Arzt?

Ich gebe zu, dass diese Frage nach einem Konkurrenzkampf klingt. Aus meiner Sicht keine schöne Vorstellung aber es soll jetzt auch eine kritische Betrachtung zum Thema Selbsttherapie geben.

Einfach lässt sich diese Frage nicht beanworten und weil es letztlich um das Wohl des Patienten geht, will ich diese Frage auch nicht leichtfertig beantworten.

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Wann stellt sich die Frage nach Arzt oder Selbsttherapie?

Symptome

Als Erstes denkt man vermutlich an die Symptome. Tut es besonders stark weh oder bildet sich eine Schwellung? Ist die Beweglichkeit eingeschränkt oder funktioniert überhaupt nicht mehr?

Eine pauschale Aussage gibt es hier leider nicht aber ein paar wichtige Hinweise:

  • Lähmungserscheinungen sind immer ein Hinweis zur schulmedizinischen, neurologischen Aklärung
  • Funktionslosigkeit, eventuell mit starker Einblutung, sollten schulmedizinisch abgeklärt werden.
  • Gelenkschmerzen nach Infektionskrankheiten sollten schulmedizinisch abgeklärt werden
  • Ziehende Nervenschmerzen beginnend im Bereich der Wirbelsäule sprechen für den Arzt (Bandscheibenvorfall)
    Ziehende Nervenschmerzen beginnend einseitig im Gesäß jedoch für die Selbsttherapie

Generell lässt sich sagen, dass man immer den Weg zum Arzt suchen sollte, wenn man ernstere "Probleme" vermutet.

Tipp: Immer dann, wenn der Arzt lediglich Schmerzmittel verordnet und evtl. ein Rezept zur Physiotherapie ist es an der Zeit schnellstmöglich eine Selbsttherapie zu beginnen.

Zeit

Wenn die Probleme (Symptome) keinen eindeutigen Hinweis geben, dann stellt sich die Frage nach der Zeit. Viele Menschen greifen dann zunächst einmal auf ein Schmerzmittel aus der Apotheke zurück. Das kann unter Umständen im ersten Moment helfen.

Gerade im Urlaub oder auf Geschäftsreise ist es nicht immer einfach einen Arzt aufzusuchen. Sprechen die Symptome jedoch dafür (siehe oben), dann bleibt dem Patient nichts anderes übrig. In diesen Fälle hilft im Zweifel nur die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses.

Sollten die Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen jedoch keinen akuten Hinweis auf schulmedizinische Abklärung geben, dann kann eine Selbsttherapie sinnvoll sein. Der Vorteil liegt natürlich auf der Hand, Sie können jederzeit damit anfangen, unabhängig von Zeit und Ort.

Warum schreibe ich kann?

Selbsttherapie ist nicht gleich Selbsttherapie. Was ich damit meine lesen Sie gleich.

Tipp: Entscheiden Sie nicht nur nach zeitlichen Aspekten, sondern primär nach Ihren Symptomen und der Qualität der Selbsttherapie.

Behandlungsergebnis

Unabhängig des Therapeuten, also Arzt oder Patient selbst, zählt letztlich nur, ob das Ergebnis erfolgreich oder nicht ist.

Hieraus lässt sich die Frage was besser ist, nicht eindeutig beantworten. Ein anderer Arzt oder eine konsequentere oder beherztere Selbsttherapie hätten eventuell bessere Ergebniss erzielt.

Manchmal fehlt aber auch einfach nur das Zusammenspiel der beiden "Disziplinen" im Sinne des Patienten. Vermissen lässt sich leider häufig das Bewusstsein über Stärken und Schwächen der eigenen Möglichkeiten.

Selbstverständlich hat gerade der Arzt Möglichkeiten, die keinem anderen Therapeuten zur Verfügung stehen. Er kann mit bildhaften Verfahren in den Körper schauen und Schäden feststellen sowie viele davon operativ beheben.

Dennoch gibt es viele Beispiele dafür, dass dies oft nicht ausreichend ist:

  • Schmerzen bestehen trotz Operation mit anschliessender Reha oder Physiotherapie
  • Nach Bandscheibernvorfall und zeitweiliger Schmerzfreiheit kam irgendwann der Zweite
  • Nach schulmedizinischer Abklärung erfolgt die Diagnose "Psychosomatische Schmerzzustände"
  • Pauschal-"Urteil" Fibromyalgie oder Arthrose

Gerade der letzte Punkt erlebe ich in meiner Praxis häufig. Ich nenne ihn bewußt Urteil, weil er häufig leichtfertig als Diagnose herhalten muss und suggeriert, das man nichts machen kann (was meistens falsch ist!).

Hier kommt das Problem Arzt zum Vorschein. Die Priorität des Arztes liegt auf Schäden und weniger auf Muskulatur oder Faszien. Pauschal wird hier von zu schwacher Muskulatur gesprochen. In über 90 Prozent aller Fälle ist dies jedoch falsch und somit  kontraproduktiv für den therapeutischen Erfolg.

Tipp: Eine notwendige und durchgeführte OP wird meistens als Lösung des Problems angesehen. Die Frage nach der Ursache des Problems bleibt jedoch oft unberücksichtigt. Dem Arzt stellt sich die Frage, ob der Bandscheibenvorfall operiert werden muss. Warum es jedoch zu dem Bandscheibenvorfall kam bleibt "uninteressant".

Was KANN eine Selbsttherapie leisten?

Um die Eingangsfrage zu beantworten, stellt sich auch die Frage nach den therapeutischen Möglichkeiten und der Durchführbarkeit für den Patienten.

Grundvoraussetzung einer echten Selbsttherapie

Das Hauptkriterium für eine Selbsttherapie ist, dass der Patient damit Schmerzursachen therapieren kann.

Achtung: Alle Arten von Übungsprogrammen (mit oder ohne Faszienrollen) sind nicht gleichbedeutend mit einer Selbsttherapie . Der Nutzen ist beschränkt. Manche Bewegungs- und Kräftigungsübungen sind definitiv kontraproduktiv.

Eigentlich überflüssig zu erwähnen, jedoch sollte der Anbieter einer Selbsttherapie selbst Therapeut sein und täglich seine Erfahrungen in einer Praxis machen. Nur wer selbst Menschen helfen kann hat die Grundvoraussetzung, um den Selbsttherapeuten darin zu befähigen.

Drei wichtige Kriterien macht eine Selbsttherapie aus:

  1. Verständnis über die Ursachen
    Die Selbsttherapie sollte logisch nachvollziehbare Erklärungen über die potentiellen Ursachen vermitteln

  2. Therapeutische Selbstbehandlung
    Über 90 Prozent aller Schmerzzustände beruhen auf verkürzter Muskulatur. Diese müssen behandelt werden können.

  3. Maßnahmen zur Vermeidung wiederkehrender Probleme
    Ähnlich wie beim Zähneputzen, so bedarf es Regelmässige "Pflege" des Bewegungsapparates. Regelmässige, einfach und überall durchzuführende Übungen sollten enthalten sein.

Nicht jeder Patient ist gleich und nicht jedes Problem ist gleich dem Problem eines anderen. Häufig handelt es sich um Probleme, die an verschiedenen Stellen ihren Ursprung haben.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass einmal die ein oder andere Frage auftaucht. Aus meiner Sicht gibt es deshalb zwei weitere Punkte, die für eine erfolgversprechende Selbsttherapie notwendig sind:

  • Persönlicher Ansprechpartner
    Auch mit einer Selbsttherapie sollte man nicht alleine sein. Eine Kontaktmöglichkeit ist aus meiner Sicht essentiell.
  • Updates
    Eine guter Therapeut lebt von der Summe seiner Erfahrungen und insofern lebt auch Selbsttherapie Kurs. Neue Erfahrungen aus der Praxis sollten sich deshalb im Kurs wiederfinden.

Tipp: Wenn Sie nach einer erfolgversprechenden Selbsttherapie suchen, dann lassen Sie sich von oben genannten Punkten leiten. Seriöse Angebote zeichnen sich für mich zum Beispiel auch dadurch aus, das Sie jederzeit darauf zugreifen können und nicht nur über wenige Wochen.

Mögliche Therapieerfolge einer echten Selbsttherapie

Als Beispiel kann ich hier nur von meinen hier angebotenen Selbsttherapien berichten.

Aus dem Feedback von Selbsttherapeuten meiner Kurse kann ich entnehmen, dass vielfältigste und zum Teil jahrelange Probleme behoben werden konnten.

Mehrere Selbsttherapeuten besuchten mich in meiner Praxis, nur um herauszufinden was sie tun müssten um selbst als Therapeut mit dieser Therapiemethode arbeiten zu können.
Andere schrieben, dass sie nicht nur sich selbst helfen konnten sondern auch Freunden, Angehörigen oder von ihnen trainierten Sportlern.

Auf der anderen Seite hatte ich aber auch die Gelegenheit, einige Selbsttherapeuten in meiner Praxis zu behandeln. Sie waren sich  unsicher oder trauten sich nicht sich selbst zu behandeln.

Letztendlich bestimmen immer mehrere Faktoren über Erfolg oder Mißerfolg einer (Selbst-) Therapie: Therapeut, Patient und Schmerzursache.

Nicht immer kann man völlige Schmerzfreiheit erreichen, aber man muss es versuchen. Sind gewisse Schäden oder anatomische Besonderheiten vorhanden, dann kann man doch sehr häufig diese zumindest im Griff halten.

Tipp: Kein Arzt oder Therapeut kann Ihnen etwas versprechen. Das zu tun wäre auch unseriös. Jeder Mensch ist anders...aber es nicht zu versuchen schmerzfrei zu werden, ist der größte Fehler den man machen kann.

Erfahrungsgemäß noch ein Hinweis: Viele Selbsttherapeuten schrieben in ihrem Feedback, dass Schmerzgedächtnis, Therapieresistenz oder chronische Schmerzzustände doch wohl nur Mythen sind.

Fazit: Arzt oder Selbsttherapie?

Das eine sollte das andere nicht ausschliessen. 

Es ist keine Frage was besser ist, sondern was Ihnen helfen kann.

Häufig ist der Besuch beim Arzt zumindest dafür gut, Ihnen die Angst vor schwerwiegenden Schäden zu nehmen.

Fragen beim Arzt nach den Ursachen von Schäden zeigen meist, dass darüber Unklarheit besteht. Dies ist auf jedenfall ein "verdeckter" Hinweis, das diese Ursachen nicht bekannt und behandelt wurden.

Ein Gelenkersatz ist beispielsweise keine ausreichende Therapie, auch wenn man eine Reha mit Kräftigungs- und Bewegungsübungen hatte.

Pauschal formuliert hat der Arzt weniger Ahnung von der Diagnose und Therapie muskuläre Probleme. Die Diagnose ist meist falsch und die Therapie "delegiert" an den Physiotheapeuten. Dieser wird Bewegungsübungen machen, wie auch jeder bessere Trainer im Studio.

Selbsttherapien können nur so gut sein, wie der entwickelnde Therapeut und die Umsetzung durch den Selbsttherapeuten selbst.

Tipp: Beherzigen Sie die Punkte in diesem Artikel und werden Sie aktiv. Suchen Sie Selbsttherapien nach den oben genannten Kriterien einer guten Selbsttherapie aus. Wenn Sie unsicher sind, dann lassen Sie das Problem schulmedizinisch abklären. Schauen Sie sich die Erklärungen möglicher Selbsttherapie an. Übungen alleine können manchmal kurzfristig helfen, aber niemals dauerhaft ein Problem (die Ursache) lösen.

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