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Wadenkrampf - hilft Magnesium?

Welcher Muskel ist betroffen?

Wenn ich hier über Krämpfe rede, dann betrachte ich im speziellen den Wadenkrampf. Die Wade ist die Muskulatur, die einerseits die höchste Belastung im Körper zu bewältigen hat und andererseits die mit Abstand am häufigsten betroffene Muskulatur.

Grundsätzlich kann jedoch jeder Muskel von einem Krampf betroffen sein.

Was ist denn eigentlich ein Krampf genau?

Ganz einfach gesagt, ist ein Krampf ein plötzlich einschiessender Schmerz in den Muskel (beim Wadenkrampf in die Wade) einhergehend mit einer Bewegungsunfähigkeit des Muskels.

Oftmals treten die Krämpfe auch nachts auf und man wird förmlich aus dem Schlaf gerissen vor Schmerzen.

Das gute daran ist, dass häufig der Schmerz innerhalb weniger Minuten nachlässt. Wir sehen später, was Du machen kannst, um das ganze etwas zu beschleunigen.

Auch wenn die häufigste Ursache eher harmlos ist, so gibt es auch ernstere Ursachen. Diese erkennt man in der Regel daran, dass die Häufigkeit des Auftretens hoch ist (mehrmals in der Woche) und die Krämpfe länger anhalten. Teilweise sind diese dann auch von anderen Symptomen wie Schwellungen oder Sensibilitätsstörungen begleitet. Dann bitte zum Arzt und durch weitergehende Untersuchungen abklären lassen.

Bei Sportlern, vor allem bei Fußballern in "heißen" Endspielen mit Verlängerung, kann man ebenso häufiger so einen Wadenkrampf bewundern. Der Spieler legt sich hin und ein Mitspieler drückt den Fuß in Richtung Schienbein.

Was passiert da bei einem Krampf im Muskel?

Banal formuliert spannt sich ein Muskel an und kann nicht mehr aufhören - Dauererregung.

Dazu betrachten wir, wie die Anspannung eines Muskels überhaupt funktioniert.

Funktionsprinzip des Muskels (vereinfacht):

  • Die Anspannung des Muskels wird über den Nerv vom Gehirn kommend initiiert.
    Übertragen wird der Impuls vom Gehirn bis zum Ende des Nerves elektrisch.
  • Der Nerv endet kurz vorm Muskel (Synapse). Dort befinden sich Bläschen (Vesikel) mit Neurotransmittern. Durch den Nervenimpuls (elektrisch) werden aus den Bläschen die Transmitter zum Muskel "geschossen".
  • Am Muskel sitzen Rezeptoren, an die der Neurotransmitter andockt. 
    Vergleichbar mit dem Druck auf einen Lichtschalter. Der Muskel spannt an / das Licht geht an.

ACHTUNG +++ Besonderheit!

  • Der auslösende Neurotransmitter (Acetylcholin) bleibt nicht in Ruhe auf dem Muskelrezeptor sitzen, sondern wird gleich vertrieben von einem Enzym, der Acetylcholinesterase.
  • An unserem Lichtschalter wäre das so, als wenn ich dauernd auf den Schalter drücken müsste, damit das Licht brennt.

Der Krampf.....

  • ist im Grunde ein Versagen dieses Wirkprinzips von Anspannung durch Neurotransmitter + Entspannung durch Enzym (durch "Vertreiben" des Neurotransmitters).
  • Magnesium kommt nun ins Spiel, denn dieses Enzym besteht aus einem größeren Anteil von Magnesium! 
Synapse Muskel

Synapse/Nerv oben, Muskel mit Rezeptoren unten

Magnesium-Defizit als Ursache für einen Krampf?

Da wir nun also wissen, dass der Neurotransmitter den Muskel anspannt und das Enzym ihn entspannt, liegt der Verdacht des Übeltäters beim Enzym.

Im Normalfall hat der Körper kein Problem damit denn er hält immer eine ausreichende Menge an Neurotransmittern und Enzymen im Vorrat.
Der Körper kennt Dich und Deine typischen Bewegungsabläufe ja und kann somit gut planen.

Der Kampf gegen den Krampf

Nehmen wir an Du unternimmst plötzlich viel mehr, z.B. läufst viel mehr im Urlaub oder probierst eine neue Sportart aus, dann ist der Körper nicht darauf vorbereitet.

Er muss dann quasi sowohl Neutotransmitter als auch Enzyme nachproduzieren.

Wenn genug "Rohstoffe" im Körper vorrätig sind, dann geht das ganz fix und Du merkst davon relativ wenig.
Wenn, wie im Fall des Enzym, ein Hauptanteil aus einem Rohstoff (hier Magnesium) besteht und dieser nur bedingt im Körper vorrätig ist, dann kann es zum Stau bei der Produktion kommen.

Der Körper kann Magnesium nicht selbst bilden. Er ist auf die Zufuhr von außen angewiesen.

Exkurs: Der Körper kann zum Beispiel Glukose aus Eiweiß (Protein) und Fett herstellen - die sogenannte Gluconeogenese.

Benötigt also der Körper jetzt Magnesium für die Herstellung des Enzyms Acetylcholinesterase, dann muß er sich unter Umständen im Körper auf die Suche machen. Das dauert dann vielleicht etwas und derweil ist das Entspannen nicht möglich.... Krampf.

Was bleibt uns als Mensch dann übrig? Wir müssen selbst versuchen den Muskel aus seinem angespannten Zustand durch Dehnung zu bringen.

Wann sollten wir also an Magnesium als Ursache denken?

  • Hat sich meine Art oder Umfang an Bewegung verändert?
    Wie beschrieben hält der Körper normalerweise einen ausreichenden Vorrat parat.
  • Ist es sehr heiß und hast Du viel geschwitzt?
    Beim Schwitzen gehen auch viele Mikronährstoffe verloren
  • Hast Du viel Alkohol getrunken, wodurch Magnesiummangel steigen kann?
  • Hast Du Durchfall oder Erbrechen erlebt?
  • Trinkst Du generell zu wenig (Faust-Regel 1 Liter pro 20-25 kg Körpergewicht)

Krampf durch Medikamente?

Wadenkrampf Cholesterinsenker

Cholesterinsenker

Wenn Du plötzlich Probleme mit Krämpfen oder "brennender" Muskulatur hast und Cholesterinsenker (Statine) einnimmst, dann empfehle ich Dir ein ernsthaftes Gespräch mit Deinem Arzt.
Leider erlebe ich das häufiger in meiner Praxis. Also, ist dieses Medikament wirklich notwendig?

Wadenkrampf Diuretika

Diuretika

Neben Wadenkrämpfe sind auch Muskelschwäche und Müdigkeit typische Nebenwirkungen....übrigens auch Nierenprobleme. Durch die Entwässerung kommt es zu Magnesium und Kaliummangel.

Beipackzettel checken

Der Artikel würde gesprengt, auf alle Arten von Medikamente einzugehen. Hier ein paar Anwendungsgebiete, in denen potentielle Medikamente eingesetzt werden:

Asthma, obstruktive Lungenerkrankungen, Parkinson, Epilepsie, Magenübersäuerung, Allergien, Depression, Bluthochdruck, Demenz, Arthrose, Antibiotika, Glaukom, Wechseljahrsbeschwerden 

Exkurs: Es gibt sogenannte Chinin-Präparate, die gegen Krämpfe eingesetzt werden können (z.B. Limptar). Die Fachwelt ist sich nicht einig über Nutzen/Risiko. Ob das Trinken von Tonic Water da hift?

Krampf durch Stress?

Einfach gesagt: Je mehr ein Muskel angspannt wird, um so mehr Neurotransmitter und Enzyme werden benötigt, was irgendwann zu Nachschubproblemen führen kann.

Stress bedeutet für den Mensch eine Gefahrensituation, auf die er durch Flucht oder Kampf reagieren muß. Auch wenn das heute vielleicht etwas anders ist, so spielt sich im Körper genau diese lebensbedrohliche Szene ab.

Der Körper bereitet sich dementsprechend vor. Die Verdauung wird heruntergefahren, der Puls steigt und die Spannung der Muskulatur nimmt zu.

Also, befindest Du dich in einer stressigen Zeit und es tauchen plötzlich Krämpfe auf, dann könnte das ein Grund sein.

Was tun bei einem akuten Wadenkrampf

Im Grunde ist es ganz einfach gesagt:

Beim Krampf ist der Muskel angespannt und kann sich nicht entspannen.... also müssen wir ihn "manuell" dehnen.

Hierzu gibt es 3 Möglichkeiten, bei denen der Fußrücken in Richtung Schienbein gebracht wird.

Wadenkrampf Dehnung Band

Versuche den Fuß mit Hilfe von Band, Handtuch, Gürtel zu Dir zu ziehen.
Auch wenn es schmerzt, führt leider kein Weg dran vorbei.

Wadenkrampf Dehnung Ausfallschritt

Stelle Dich in einen leichten Ausfallschritt, Krampf-Bein nach hinten und versuche die Ferse langsam zum Boden zu drücken.

Wadenkrampf Dehnung Yogablock

Stelle den Fuß des betroffenen Beines mit dem Ballen auf eine Erhöhung (Buch, Block, Treppenstufe) und versuche langsam die Ferse abzusenken.

Versuche eine der Möglichkeiten. Da Du dich im Akutfall nicht wirklich fortbewegen kannst, wähle die passende Möglichkeit nach Situation.

Im Bett kannst Du vielleicht die Bettdecke "als Band" benutzen. Im Gehen oder Stehen den Ausfallschritt und auf der Treppe, die..... Treppenstufe.

Das wichtigste gegen Krämpfe kommt zum Schluss

Wir sollten etwas für unseren Körper tun, um Krämpfen, Unbeweglichkeit, Arthrose und und und vorzubeugen.

Krämpfe werden bestens gefördert, wenn unsere Muskulatur unbeweglich und verkürzt ist. Wenn also die Spannung in der Muskulatur eh schon zu hoch ist und deshalb natürliche und lockere Bewegungen überhaupt nicht mehr möglich sind.
In diesem Zustand benötigen einfachste Bewegungen schon mehr Energie/Spannung als nötig. Das ist so, als wenn beim Anfahren mit dem Auto die Handbremse nicht vollständig gelöst ist - wir können anfahren, müssen aber mehr auf´s Gas treten.

Krämpfe können übrigens auch bei Dehnungsübungen oder ungewohnten Körperhaltungen entstehen. Es kann z.B. gut sein, dass die Oberschenkelrückseite verkrampft wenn Du versuchst die Ferse zum Gesäß zu bringen - ohne Hilfe der Hände 😉

Viele Patienten haben das Problem, dass sie keinerlei Ahnung haben was und wie sie dehnen sollen.

Man sollte es nicht kompliziert machen und sich einfach bewusst werden, in welcher Haltung oder welche Bewegungen man länger macht.

Beispiel: Du sitzt 1 Stunde am Schreibtisch im Büro. Das bedeutet, dass die Beine 1 Stunde angewinkelt sind - also muss ich sie mal bewusst ausstrecken.
In dieser Stunde ist dein Oberschenkel um ca. 90° in der Hüfte gebeugt - also muss ich mich mal in der Hüfte strecken.
Mein Arme sind vor dem Körper und vielleicht auch leicht zur Körpermitte. Folglich muss mal die Arme hinter den Körper bringen.
Meine Finger greifen zu oder tippen auf die Tastatur- also muss ich die Finger mal ausstrecken.

Prinzip verstanden?

Vermutlich wirst Du gerade gedacht haben, was Du die letzten Jahre oder Jahrzehnte nicht gemacht hast. Das tun die meisten Menschen, wenn sie das hören.

Die Folgen sind existent: Muskulatur ist verkürzt. Der Körper ist unbeweglicher als in jungen Jahren.

Es ist nie zu spät anzufangen. Fange an Dich regelmässig zu dehnen und Du wirst den Unterschied schnell merken.

Wenn Du schon Probleme im Bewegungsapparat realisiert hast, dann solltest Du darüber nachdenken, die Verkürzungen therapeutisch beseitigen zu lassen bzw. mittels Selbsttherapie selbst zu beseitigen.
Dehnungsübungen alleine können dies nur sehr eingeschränkt.

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